Ein Moment aus meinem Leben


Daher das letzte mal mein Beitrag zu dem Moment aus meinem Leben so gut ankam, dachte ich mir, das ich hier noch mal ein kleinen Moment nieder schreibe. Er stammt aus meiner Kindheit und hat mich geprägt, anders kann ich mir nicht erklären das er mir so im Kopf eingebrannt geblieben ist.

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Es war ein Leben was mittlerweile schon voll am laufen war, ich war 14 und es sollte ein Moment werden der mein Leben in eine andere Richtung bringt. Ich hatte aus dem Problem das ich andere Menschen verletzten wollte, meinen Psychologen gebeten mich in die Psychatrie einzuweisen, daher ich aber für mein Alter schon sehr weit entwickelt war, kam ich auf die Station für die Jugendlichen anstatt auf die Station für die Kinder.

Hier lernte ich zwei Menschen kennen, die mir mein Leben bunt und glücklich machten. Die mir zeigten was Leben ist obwohl man krank ist, zwei Menschen die ich bis heute nicht vergesse. Arne und Ines ! Arne war mein Zimmer Nachbar, er mochte es Geweihe zu sammeln und hatte auf seiner Seite vom Zimmer eine sehr interessante Menge an Geweihen. Ich dagegen hatte so gut wie nichts an der Wand. Mich interessierten eher so die Dinge in mir und um mich herum. Ines war die erste die ich kennengelernt habe als ich in der Klinik angekommen bin, sie war zu dem Moment schon 18 und hatte in ihrem Leben starke Probleme. Aber sie war nett und in jeder Hinsicht ein guter Mensch. Mit diesen beiden Menschen erlebte ich, was es heißt zusammen zu halten, gemeinsam Mist zu bauen ohne es zu bereuen.

Es gab einen Tag der wie eingebrannt in mir steckt. Eine Insassin der Psychatrie hatte sich die Haare abrasiert und fühlte sich überhaupt nicht gut, aber sie war ein Teil unserer kleinen Psychatrie Bande. Wir haben schnell begriffen, das sie sehen muss das wir für sie da sind. Also haben wir uns einfach alle auch eine Glatze rasiert und beim Essenstisch gesagt das wir uns solange eine Glatze rasieren bis sie wieder gesund ist und auch wieder ihre Haare wachsen lässt. Sie weinte und war sprachlos. Es war ein magischer Moment, ein Moment der für uns damals einfach normal war! Doch heutzutage als Erwachsener weiß ich wie besonders dieser Moment war. Er zeigte den starken zusammenhalt von uns als Menschen mit innerlichen Problemen in dieser Welt.

Wir hatten die Welt für uns verstanden und in unserer Logik lebten wir in ihr und kämpften zusammen um diese Welt zu meistern. Niemand durfte hinterher laufen, jeder noch so schwache wurde mit genommen und wieder aufgebaut. Wir waren wer wir waren und wir standen zusammen ein. Dieser Moment, diese Magie, die habe ich nie wieder so empfunden, nie wieder so erleben dürfen. Es war ein einzigartiger Moment der mich prägte und mir leider auch zeigte das solche Momente nicht normal sind, das zusammenhalt in dieser Form (Bedingungslos) so selten geworden ist, das man froh sein kann, wenn man ihn einmal im Leben erleben darf oder sogar das Glück hat es ein ganzes Leben zu erleben.

Ein anderer besonderer Moment war eine Einlieferung die ich so noch nie erlebt hatte, sie kam kurz bevor ich aus der Psychatrie wegen verbotenen Alkoholkonsum entlassen wurde. Ein Junge der nicht redete. Er verweigerte einfach zu reden und zwar komplett. Sagte nicht mal wenn ihm was weh tat. Wollte seine Sprache nicht zeigen. Er hatte irgendwas erlebt, irgendwas was ihn dazu brachte das er seine Worte nicht nutzen wollte. Er war interessant, nicht schwach aber auch nicht stark! Wir hatten ihn in unserer kleinen Bande aufgenommen und Abends zusammen mit ihm und anderen Uno, Baboo und andere Spiele gespielt. Irgendwann versuchte einer von uns den ersten Schritt. Ein Buch!

Er sollte schreiben was er denkt oder sagen möchte. Es dauerte, doch irgendwann vertraute er uns. Er schrieb mit uns wenn er was sagen wollte, aber er redete immer noch nicht darüber was los war. Viele Abende, gemeinsame Aktionen zusammen haben wir mehr geschafft gehabt als die Psychologen. Mittlerweile lachte er wieder, er lachte mit Ton wieder. Er spielte die Spiele mit uns und mittlerweile hatten wir ihn dazu bekommen auch mit den Betreuern zu kommunizieren mit diesem Buch. Es war ein schöner Moment wenn ich heute daran zurück denke.

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Diese Momente. Sie waren einzigartig und umso älter ich wurde, umso mehr merkte ich das diese Art die Welt zu erleben und zusammen zu halten immer mehr verschwand. Jeder für sich immer kälter wurde. Nicht total Gefühlskalt, aber abgehärtet vom Leben. Ich betrachte heute noch Menschen in aller Ruhe! Ich nehm mir diesen einen Insassen als Beispiel der immer erstmal geschwiegen hat, die Menschen beobachtet hat um zu verstehen was los ist. Manchmal glaube ich sogar fest dran, das Psychisch kranke manchmal die besseren Menschen sind!